Hallo Leute,
in den nächsten Zeilen findet Ihr meinen persönlichen, abschließenden Gedanken zum Thema Vancouver 2010…
WINTER, NEIN DANKE
Ich muss zugeben, darauf hingefiebert habe ich nicht gerade. Vielleicht lag es daran, dass man jeden Tag seine eigenen Winterdisziplinen zu absolvieren hatte! Langlauf zur Arbeit und zurück – 100m Schnee Schüppen – Eiskunstlauf an den Stellen, die halt eben nicht freigeräumt wurden – ja wir hatten sogar auf der Straße zur Parkplatzauffahrt meiner Arbeit ein eigenes Sliding Center! Freundlicherweise von der Stadt hergerichtet. Leider war der Parcours ähnlich wie in Whistler für einige Kollegen mit ihren Boliden nicht unfallfrei zu bewältigen!
Kurz und knapp – jeder hatte die Schnauze voll vom Schnee! Und jetzt sollte ich mir den Schnee noch im Fernsehen stundenlang anschauen?
LEBEN UND LERNEN, STERBEN UND NICHTS DARAUS LERNEN
Auf Desinteresse folgte Bestürzung. Der tragische Tod des Georgiers Nodar Kumaritaschwili hatte mich nun doch aufhorchen lassen. Wie geht man mit dem Thema um?
Wie schnell dort zur Tagesordnung übergegangen wurde hatte mich schockiert. Während in den Nachrichten ernsthaft mit dem Thema umgegangen wurde, war die Auseinandersetzung mit dem tödlichen Unfall von den Organisatoren bis hin zu den teilnehmenden Medien einfach zu wenig. Thematisiert wurde es. Aber eher wie ein Gerstenkorn im Auge eines Gastgebers. Man spricht es der Form halber an und versucht danach drüber eher hinwegzugehen um die Partystimmung nicht zu gefährden. Das Thema Spiele war für mich eigentlich durch…
AUS DER NOT WIRD EINE TUGEND
Doch dank meines neuen Schichtplans und dem Enthusiasmus meines Kollegen, der voll auf Vancouver eingestellt war wurde mein positives Interesse geweckt. Was sollte man sonst auch nachts schauen, wenn man noch aufgedreht von der Arbeit nicht einschlafen kann? Automarkenraten für Unverbesserliche? Dokus, die schon 100 x gezeigt wurden? Reality-Dokus, die ich nicht mal für Geld schauen würde? Vancouver kam wie gerufen!
CURLING UND ANDERE COOLE(RE) SPORTARTEN
Die meistgezeigteste Sportart in diesen Nächten war zweifelsfrei Curling! Es wurde über die Nächte zu einer regelrechten Hassliebe! Kein Tag verging ohne mindestens 20 Witze über Curling! Im Grunde waren die Sportler interessanter als das Spiel! Von ‘Her mit den schönen Däninnen!’ über ‘Buchhalter bleiben cool’ bis ‘Wir sind die schrubbenden Harlekins.’ war alles vertreten! Das lustigste Besen TV seit dem ‘Wischmob mit dem Dreh’.
Doch wirklich coole Sportarten wie die Cross- und Freestyle Disziplinen haben einen wirklich am Fernseher kleben lassen! Die Begeisterung ging soweit, dass wir auf unserer Arbeit unser eigenes Handymediencenter errichtet haben. Eurosport und diverse Apps waren unsere wichtigsten Begleiter auf der Jagd nach Medaillen!
‘SEI FAIR’ GILT NUR FÜR SPORTLER
Meine Verärgerung über das Whistler Sliding Center zog sich über die gesamten Spiele! Liebes IOC, liebe Organisatoren: Soviel Ignoranz, soviel Unverantwortung gegenüber den Sportlern, soviel Planlosigkeit und so WENIG ehrliche Besorgnis und Anteilnahme habe ich nicht erlebt, seitdem ich mir Olympiaden ansehe!
CLOSING CEREMONY
Vielleicht war gerade das der Grund, warum ich weder Eröffnungsfeier, noch Abschlussfeier gesehen habe. Ich respektiere die Leistungen der Sportler, aber nicht das Geschäft. Alles in einem muss man festhalten: Auch dieses Mal haben die Spiele es geschafft mich emotional in den Bann zu ziehen! Besonders mit dem Eishockeyfinale ist noch mal ein echtes Highlight der Spiele gelungen. Doch nicht nur Freude an den Spielen, sondern auch Anregung zum Nachdenken begleiten mich bis zur nächsten Olympiade…
Euer Tubbs